Met selber machen

Wer selber mal Met zu Hause herstellen möchte aber sich jetzt denkt: „Das ist bestimmt Mega kompliziert und ich brauche teures Equipment und womöglich eine Ausbildung als Chemiker“ den kann ich beruhigen. Das ganze ist einfacher als man denkt solange man einige Grundlegende Dinge beachtet.

Warum sollte ich überhaupt Met selber machen ?

Jedem der gerne Met trinkt, würde ich empfehlen es zumindest einmal zu versuchen da es einem interessante Möglichkeiten bietet. So kann man seine persönliche Note einfließen lassen und den Met trockener, lieblicher, kräftiger oder würziger gestallten. Ich finde auch den ganzen Herstellungsprozess immer wieder spannend, da man mit kleinen Abweichungen immer wieder andere Ergebnisse erzielen kann.

Deswegen nagelt euch bitte nicht zu 100% auf meine Angaben hier fest. Seid ruhig ein bisschen kreativ und probiert mal was anderes. Wie gesagt gibt es unzählige Möglichkeiten und Geschmäcker die entdeckt werden wollen.

Was brauch ich an Grundausstattung ?

Als erstes brauchen wir einen Behälter in dem wir den Met machen wollen. Da gibt es zum einen schöne Gärballons*, das sind große bauchige Flaschen aus Glas, in diversen Größen. Finde ich alleine optisch absolut ansprechend und Glas ist auch sehr gut zu reinigen und sauber zu halten. Es gibt auch ganze Gärfässer im Internet oder teilweise im Baumarkt zu kaufen welche dann aber eher für größere Rationen gedacht sind. So ab 30 Liter aufwärts. Ich habe für meine ersten Met ein leeren 10 Liter Kanister* benutzt in dem vorher auch Met war. Hat wunderbar funktioniert.

Dann benötigen wir noch ein Gärspund*. Der dient dazu während der Gährung alles was nicht in das Fass soll draußen zu halten aber trotzdem der Luft im inneren das entweichen zu ermöglichen. Keine Sorge erklärt sich noch von selbst.

Ein Vinometer* zum feststellen des Alkoholgehalts. Ist kein Must Have aber es ist doch ganz nett wenn man hinterher weiß wieviel Umdrehungen der gute Honigwein hat. Dient aber auch zur Kontrolle während der Gährung.

Nochmal zusammengefasst :
  • Gärballons, Gärfass, Kanister oder anderen großen Behälter
  • Gärspund
  • Vinometer
  • Ein oder zwei Kochtöpfe, Rührlöffel, Messbecher
  • Eventuell ein paar Flaschen zur finalen Abfüllung. Ich mag Glasflaschen mit Bügelverschluss
  • Reiniger und/oder Desinfektionsmittel
  • Thermometer ist von Vorteil, geht aber auch ohne
Zutaten

Angaben für 5 Liter Met

  • 3 Liter Wasser
  • 0,5 Liter Apfelsaft
  • 1,5 Kilo guter Honig
  • 2g Reinzuchthefe
  • 1g Hefenährsalz
  • 1g Kaliumpyrosulfit ( Schwefel )
  • Evtl. Kieselol
So los geht’s

Wichtig ! Alle Geräte und Behälter die ihr verwendet bitte vorher gründlich auswaschen und evtl. mit einem Desinfektionsmittel behandeln. Alternativ alles vorher 5 Minuten abkochen. Das hat den Hintergrund das während des Gärprozess keine Keime oder Schmutz im Behälter sind. Sonst kann es passieren das euch der ganze Wein schimmelt und zu Essig wird, das wollen wir ja nicht. Also immer schön sauber arbeiten dann passiert da nix.

Als erstes machen wir uns einen Gärstarter und wecken die Reinzuchthefe mal auf. Dazu kippen wir 0,5 Liter Apfelsaft, welcher Zimmertemperatur haben sollte, 2 Gramm Reinzuchthefe* und 1Gramm Hefenährsalz* in eine Glasflasche, schwenken es ein wenig durch und decken das ganze mit einem Tuch ab und machen ein Gummi um den Flaschenhals. Die Flasche nicht Luftdicht verschließen ! Die Hefe arbeitet ab jetzt und wenn die Luft nicht entweichen kann besteht Explosionsgefahr. Das ganze sollte jetzt ungefähr eine Stunde bei Zimmertemperatur vor sich hin gären.

In der Zwischenzeit lösen wir die 1,5 Kilo Honig in den 3 Litern Wasser auf. Am besten geht das im Kochtopf auf dem Herd bei kleiner Hitze. Wichtig ! Honig generell niemals über 50°Grad verarbeiten, da er sonst seinen Geschmack verliert und die guten Nährstoffe im Honig kaputt gehen. Also auf keinen Fall den Honig kochen !

Jetzt schütten wir den Gärstarter in das Honigwasser, rühren nochmal vorsichtig durch, füllen das ganze in unseren Gärbehälter und setzen den Gummipropfen mit Gärspund auf. Während dieser Zeit sollte das ganze Gemisch zwischen 18°Grad und 28°Grad haben. Dann fühlt sich die Hefe wohl und gibt ordentlich Gas und der Honig behält seinen Geschmack. Hier wäre ein Thermometer ganz praktisch falls man nicht so gut im abschätzen ist. Das ganze stellen wir jetzt bei Zimmertemperatur irgendwo ab und lassen die Hefe ihre Arbeit machen. Nicht vergessen der Gärspund mit Wasser zu befüllen.

Was passiert jetzt ? Wie lange dauert das ?

Vom chemischen Prinzip her, futtert sich jetzt die Hefe durch den Zucker und es entsteht Alkohol. Zu erkennen ist das am Gärspund der immer kurz  blubbert wenn das von der Hefe freigesetzte CO² entweicht. Dieser ganze Prozess kann von 2 bis hin zu 5 Wochen dauern. Nach 1-2 Wochen könnt ihr euch mal eine Probe abfüllen und kosten. Meistens schmeckt es dann noch sehr nach Hefe, muss aber nicht sein. Auch könnt ihr jetzt schonmal mit dem Vinometer den Alkoholgehalt überprüfen. Wenn dieser zwischen 9 und 12 Prozent liegt sind wir auf einem guten Weg. Der Alkoholgehalt bestimmt sich dadurch wieviel Hefe drin ist und wieviel Zucker diese als Nahrung zur Verfügung hat.

Hier nochmal anschaulich die Alkoholische Gärung erklärt:

 

Die Art der Hefe bleibt im übrigen auch jedem selbst überlassen. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Trockenreinzuchthefe gemacht. Es geht aber auch Hefe in flüssiger Form oder normale Trockenhefe aus dem Supermarktregal. Mittlerweile gibt es sogar Turbohefe womit der ganze Gärprozess in einer Woche durch sein soll. Habe ich noch nicht ausprobiert, werde ich aber definitiv mal machen und hier nachreichen.

Wenn also nix mehr blubbert ist die Hefe fertig und der Wein wäre jetzt theoretisch schon trinkfertig.

Rein optisch macht er allerdings nicht so viel her, weil er doch recht trübe ist und die restliche Hefe sich am Boden abgesetzt hat. Als erstes empfehle ich jetzt den Wein zu „schwefeln“, das heißt wir werfen jetzt 1 Gramm von dem Kaliumpyrosulfit rein, rühren das ganze nochmal vorsichtig um und lassen es nochmal 1 bis 2 Tage stehen. Das Kaliumpyrosulfit hat zum einen den Effekt das die Gärung sofort unterbrochen wird falls sie noch nicht ganz fertig ist und zum anderen macht es den Wein haltbar. Geschmacklich macht dieses Verfahren, meiner Meinung nach, keinen Unterschied also würde ich euch raten zu schwefeln. Das hat auch nichts mit „Igitt, Chemikalien“ zu tun. Wein wird schon seit Jahrhunderten geschwefelt um ihn haltbar zu machen.

Um den Wein etwas klarer zu bekommen und die abgesetzte Hefe zu entfernen müssen wir den Wein jetzt „von der Hefe ziehen“. Das heißt wir nehmen und einen zweiten Behälter oder mehrere kleine Flaschen in denen der Wein letzten Endes landen soll und einen Schlauch. Der Gärbehälter mit dem fertigen Met und der abgesetzten Hefe sollte nun auf einem Tisch oder Arbeitsplatte stehen. Den anderen Behälter platzieren wir unterhalb auf dem Boden. Nun stecken wir das eine Ende vom Schlauch in den Met, aber nicht bis ganz unten in den Hefesatz. Dann saugen wir am anderen Ende vom Schlauch an und halten es in den leeren Behälter. Hat bestimmt jeder schon mal im Film gesehen wenn die bösen Jungs Benzin aus einem Auto klauen. Das ganze lassen wir so lange laufen bis nur noch der Hefesatz im ersten Behälter übrig ist.

Hierzu habe ich noch eine komplexe technische Zeichnung angefertigt :

Wer den Met jetzt gerne noch etwas klarer haben möchte kann den ganzen Vorgang wiederholen aber vorher noch Kieselol* hinzufügen und wieder 1 bis 2 Tage warten. Kieselol bewirkt das sich die Schwebstoffe binden und zu Boden sinken. Angeblich soll es auch den Geschmack verbessern da es Bitter und Gerbstoffe bindet. Ich hab es öfter ausprobiert und muss sagen das ich geschmacklich keinen großen Unterschied feststellen konnte. Allerdings wird der Wein um einiges klarer, was in Glasflaschen sehr viel attraktiver aussieht.

Nun kann es immer mal sein das der Wein zu viel Zucker verloren hat weil die Hefe zu gierig war und somit seinen typischen Honig Geschmack verloren hat. Das ist natürlich immer Geschmackssache, die einen mögen es halt lieblicher als die anderen. Wem das ganze nicht süß genug ist kann selbstverständlich mit Honig nachsüßen. Dazu einfach wieder etwas Honig im warmen Wasser auflösen und dazu geben. Auch mit Gewürzen kann man geschmacklich jetzt noch einiges raus holen. Zimt, Sternanis, Orange oder Zitrone mit in die Flasche ist super für den Winter. Beim Wikingerblut wird der Met zum Teil mit Kirschsaft aufgefüllt, was auch eisgekühlt im Sommer hervorragend schmeckt.

Wie bereits erwähnt gibt es zahlreiche Varianten in der Herstellung und jeder wird euch etwas anderes erzählen. Das macht aber in meinen Augen auch den Reiz aus und sorgt für langanhaltenden Spaß an der Sache. Ich hoffe meine kleine Anleitung ist Motivation und Ansporn für den einen oder anderen und ihr habt genau so viel Spaß dabei wie ich.

Noch kurz ein paar Worte zum Honig

Der Honig an sich ist der Haupt Geschmacksträger beim Met und deshalb meine wäre meine Bitte nicht unbedingt den billigsten Discounter Honig Verschnitt zu nehmen und statt dessen auf Honig zu setzen welcher aus Deutschland kommt. Eventuell kannst du sogar die örtlichen Imker unterstützen. Im Geschmack kann das einen riesigen Unterschied machen. Wenn der Honig pur schon nicht schmeckt, wird auch kein leckerer Met draus. Logisch oder ?